Ein Kindheitstraum wird wahr
Du hast gesagt, dass sich mit dem Sieg am Basler Stadtlauf ein Kindheitstraum erfüllt hat. Was hat dieser Moment im Ziel für dich bedeutet – und warum gerade dieser Lauf?
Ich bin in Rheinfelden aufgewachsen, beim LC Basel jahrelang ins Bahntraining gegangen und Basel ist mein Heimatort. Der Basler Stadtlauf war einer der ersten Läufe, den ich in meinem Leben absolviert habe. Diesen Lauf nun gewonnen zu haben, welcher für mich schon vor vielen Jahren eines der sportlichen Highlights meines Läuferjahres war, bedeutet mir sehr viel. Der Moment, dort als Erster ins Ziel zu kommen, war für mich die Erfüllung ebenjenes Traumes als kleiner Junge, eines Tages zu den Schnellsten zu gehören.
Robin Mennet (links) und sein Vereinskollege Janis Gächter vom LC Uster führen das Feld durch die Freie Strasse. Am Ende feiert Mennet seinen ersten Sieg am Basler Stadtlauf.
Wie bist du taktisch in den Basler Stadtlauf gestartet – eher kontrolliert oder mit dem Ziel, früh Akzente zu setzen? Gab es einen Moment oder Streckenabschnitt, in dem du gespürt hast: Heute könnte es mein Rennen werden?
Ich wusste, dass ich zu den Schnellsten am Start gehöre, und dass ich das Rennen sehr offensiv gestalten möchte. Dennoch war mir bewusst, dass mir ein zu schneller Start später zum Verhängnis werden könnte. So war ich überrascht, dass wir bereits beim ersten Mal Einbiegen in die Freie Strasse nur noch zu zweit unterwegs waren. Anscheinend hatte sich niemand getraut, unser Tempo mitzugehen. Nach dreiviertel Runden musste auch mein verbliebener Mitstreiter Janis auf der Wettsteinbrücke reissen lassen. Die zweite Runde war dann nur noch zum Geniessen!
Wie hast du die Stimmung entlang der Basler Strecke erlebt? Gibt es einen Abschnitt oder einen Moment, der dir besonders geblieben ist – sei es durch das Publikum oder die Kulisse der Stadt?
Natürlich hat die Freie Strasse am Basler Stadtlauf ihre eigene Magie. Das leichte Gefälle gibt einem das Gefühl der Schwerelosigkeit, die goldene Weihnachtsbeleuchtung und die vorbeiziehenden, lauten Zuschauermassen verschwimmen und geben einem ein beflügelndes Gefühl, welches mich immer wieder aufs Neue verzaubert. Diesen Abschnitt als führender Läufer erleben zu dürfen ist etwas ganz Besonderes.
Mit Janis Gächter stand ein Vereinskollege ebenfalls auf dem Podest. Was sagt dieses Resultat über die Arbeit und den Teamgeist beim LC Uster aus? Und spielt die Präsenz eines Vereinskollegen im Rennen eher eine taktische oder mentale Rolle – oder blendet man das im Wettkampf aus?
Als ich aufgrund meines Studiums in den Raum Zürich zog, musste ich die schwere Entscheidung treffen, den LC Basel zu verlassen und dem LC Uster beizutreten. Das war für mich nicht einfach, aber der einzig logische Schritt, wenn ich wirklich weiter vorankommen wollte als Läufer. Mittlerweile verdanke ich dem LC Uster enorm viel, und ich fühle mich dort bestens aufgehoben und vertrete den Verein mit grossem Stolz. Der LC Uster hat schon viele Läuferinnen und Läufer schnell gemacht und hat eine unglaubliche Dichte an schnellen Athletinnen und Athleten. Deshalb macht es enorm viel Spass, gemeinsam mit Vereinskollegen am Start stehen zu dürfen und einen Lauf so dominieren zu können. Während des Wettkampfs selbst bin ich jedoch schon ein Einzelkämpfer, da habe ich meistens meine eigene Taktik und will gewinnen. Das gemeinsame Ein- und Auslaufen geniesse ich dafür umso mehr.
Welche Bedeutung hat der LC Uster generell für deine sportliche Entwicklung – insbesondere in Bezug auf Trainingsumfeld, Austausch und Motivation im Alltag?
Der LC Basel hat mich von einem jungen Orientierungsläufer zu einem schnellen regionalen Läufer gemacht. Der LC Uster verhalf mir von dort zu meinem ersten Schweizermeistertitel. Es ist immer ein Zusammenspiel von verschiedenen Faktoren, welche Erfolg bringen, bei mir war einer der entscheidendsten Faktoren bestimmt das Kennenlernen meines heutigen Coaches, Eric Rüttimann, welcher damals selbst aktiver Elite-Läufer beim LC Uster war. Er war der Funken, welcher bei mir das ultimative Feuer für den Sport entfacht hat. Seither spielt der LC Uster eine wichtige Rolle für mich als Team und bietet mir das passende Umfeld und die nötige Unterstützung. Das eigentliche Training absolviere ich jedoch grösstenteils alleine und bin eher selten im Bahntraining in Uster anzutreffen. Ein Team mit solch einem hohen Niveau zu haben spornt natürlich an, jeden Tag das Beste zu geben.
Du wurdest 2025 Schweizer Meister im Halbmarathon und hast im selben Jahr mit 1:06:16 Stunden deine persönliche Bestzeit aufgestellt. Was sagt dir ein Stadtlaufsieg über deine aktuelle Form – und worin unterscheidet sich für dich die Herausforderung eines Stadtlaufs von längeren Distanzen?
Ein Stadtlauf ist oft unübersichtlich und sehr hektisch. Die Stimmung am Streckenrand ist überwältigend, dafür ist der Lauf auch umso schneller wieder vorbei. Ich geniesse diese Form von Wettkampf sehr, fühle mich aber auf längeren Distanzen wohler. Beim Halbmarathon hat man mehr Zeit, um das Rennen zu geniessen. Bei einem Stadtlauf ist es schwieriger, die Pace richtig zu treffen, denn diese Läufe gehen immer sehr schnell los und die vielen Kurven machen es nicht leichter. Da muss man Geduld mitbringen und Vertrauen in sein Gefühl und die Renntaktik, die man sich vorher überlegt hat. Meine Form war im vergangenen Herbst sehr gut, wie sich danach im Verlauf des Winters herausstellte, war sie jedoch noch nicht annähernd so gut wie sie einige Monate später noch werden sollte.
Aus deiner Sicht als Athlet: In welchen Bereichen könnte sich der Basler Stadtlauf für leistungsorientierte Läufer künftig noch weiterentwickeln, ohne dabei seinen Eventcharakter zu verlieren?
Der Basler Stadtlauf hat aus meiner Sicht für schnelle Läufer das Problem, dass man auf der zweiten Runde ganz viele andere Läufer überrundet. Für mich war es schwierig, mir einen Weg durch die Massen zu bahnen, und auf der Zielgeraden bezweifle ich, dass die Zuschauer überhaupt die vordersten Läufer wahrgenommen haben.
Zielsprints und Duelle um Platzierungen gingen in den vielen Teilnehmenden des Stadtlaufs unter. Die Anweisung, dass rechts gelaufen und links überholt wird, funktionierte in diesem Jahr nach meiner subjektiven Wahrnehmung nicht besonders gut. Ich denke, dass es eventuell sinnvoll wäre, das Starterfeld nicht nach Altersklassen, sondern nach Zielzeiten zu gruppieren, wie es das bei anderen Volksläufen wie z.B. dem GP Bern auch gibt. So würden diese Überrundungen grösstenteils wegfallen und es gäbe mehr Platz für ein richtiges Rennen auf der letzten Runde. Natürlich wäre diese Änderung nur relevant für die vordersten Läufer, jedoch könnte ich mir auch vorstellen, dass es für Teilnehmende weiter hinten im Feld angenehmer wäre, nicht nach hinten schauen zu müssen, um überrundenden Läufern ausweichen zu müssen.
Wenn du nach vorne blickst: Welche sportlichen Ziele und Entwicklungsschritte sind für dich in Zukunft besonders wichtig – und wohin soll sich dein Weg als Athlet langfristig entwickeln, unabhängig von konkreten Zeiten oder Titeln?
Mein oberstes Ziel ist stets, Freude am Laufen zu haben. Das ist das wichtigste Gut in diesem Sport, verbindet uns alle und sollte von uns allen geteilt werden. Meiner Vorliebe für längere Distanzen werde ich voraussichtlich im kommenden Herbst nachgeben und ein Debüt über die Marathondistanz wagen. Was danach folgt, ist noch offen. Aber ich werde bestimmt immer wieder gerne nach Basel zurückkehren und diese Strassen und die einmalige Stimmung gemeinsam mit allen Teilnehmenden des Basler Stadtlaufes geniessen.
Vielen Dank an Robin Mennet für das Gespräch.